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Archive für November 2007
Symposium Verkarstung in Süddeutschland
24.11.2007 von roger.
Nach der Fußball-WM im letzten Jahr und den olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr, fiel ein auch im Vierjahresrhythmus stattfindendes Ereignis auf 2007: Das Symposium Verkarstung in Süddeutschland. Statt in teuer erbauten Stadien fand es im bewährten Saal des “Rössle” in Laichingen statt. Über den Daumen gepeilt, fanden 100 Höfos und Geologen trotz Nebel ihren Weg in die heimliche schwäbische Höhlenforscher-Hauptstadt.
Trotz einiger Abweichungen vom ursprünglichen Vortragsprogramm, fielen die Referate überwiegend gut aus.
Der Schweizer Kollege Marco Filipponi fand in 70% aller untersuchten Groß- und Riesenhöhlen eine Bindung an Schichtfugen. Selbst komplexe Systeme werden von nur 2 - 5 Schichtfugen kontrolliert.
Andreas Hoydem stellte das Höhlensystem bei Eberstadt im Odenwald vor, das insgesamt über vier Kilometer lang ist. Teilweise korreliert die Höhle mit Merkmalen der Landoberfläche. Wesentliche Teile der Höhle waren bis Ende des Tertiärs bereits voll entwickelt.
Stefan Glaser referierte über die Mühlbachquellhöhle und das unterirdische Gewässernetz der südlichen Frankenalb. Anhand der Temperatur, Schüttung und des Chemismus konnten verschiedene Herkunftsgebiete des Wassers in der Mühlbachquellhöhle ausgeschieden werden. Sehr interessant war, dass neben rezentem Karstwasser, auch Grundwasser gefunden wurde, das mehrere Jahrzehnte Verweildauer im Aquifer aufwies.
Martin Trappe berichtete über seine Anstrengungen, klastische Sedimente anhand ihrer Eigenschaften zu klassifizieren. So stellen die Kornsummenkurven charakteristische Fingerabdrücke für die verschiedenen Ablagerungen in Höhlen dar. Für die Zukunft soll ein Abgleich dieser Werte über die Grenzen der Frankenalb hinaus versucht werden.
Nach der Mittagspause trug Gerd Tietz seine Erkenntnisse über die Höhlenruine am Wolfstein vor. Diese Höhle enthielt große Mengen an Aragonit-Sinter. Aufgrund der Bedingungen, unter denen sich Aragonit normalerweise bildet, wurde auf ein eozänes Alter der Höhle geschlossen.
Marcel Strasser wandte sich in seinem Vortrag der Laierhöhle bei Geislingen zu. Die Stockwerke dieser Höhlen lassen sich zeitlich in Einklang mit Flussterrassen der Ur-Lone bringen. Sie belegen eine Entwicklung der Höhle ab dem Miozän.
Georg Kaufmann stellte anhand numerischer Computersimulationen mögliche Entwicklungsgeschichten der Höhlen auf der Schwäbischen Alb vor. Absolute Zeitskalen sind jedoch immer noch problematisch, da die Modelle von klimatischen und hydrologischen Voraussetzungen ausgehen, die mit Unsicherheitsfaktoren behaftet sind.
Eberhard Pechold berichtete über seine Beobachtungen von Gasblasen in Karstquellen der Schwäbischen Alb. Er vermutet Temperatur- und Druckunterschiede als Ursache der Lösung und späteren Abscheidung von Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid im Karstwasser.
Die beiden anschließenden Vorträge musste ich leider auslassen.
Alle Vorträge werden in der kommenden Ausgabe des Laichinger Höhlenfreund gedruckt erscheinen.
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Der Teufel tobt im Bröller
11.11.2007 von roger.
In der Mittagszeit besuchten Michael und ich im eiskalten Regen die Teufelsklinge. Schon auf dem schmalen Pfad hinüber in die Schlucht war das Tosen des Wassers deutlich zu vernehmen. Über die Felswand stürzte ein stattlicher Wasserfall 20 m in die Tiefe. Auf dem Absatz vor dem Eingang des Teufelsklingenbröllers angekommen, schätzten wir die Schüttung des Höhlenbachs auf ca. 100 l/s. Obwohl dieser Pegel noch deutlich unter dem höchsten von mir jemals beobachteten Wasserstand lag, machte der Wasserfall einen anständigen Radau, so dass wir uns nur noch schreiend unterhalten konnten. Nach der Sage tobt der Teufel in seinem unterirdischen Gefängnis und bringt das Wasser schäumend und tosend zum Überlaufen. Offenbar gingen die Höhlenforscher, die letzte Woche fast 900 m weit in den Berg vorstoßen konnten, dem Herrn der Finsternis etwas zu sehr auf den Sack! Es ist aber schon beeindruckend, wie heftig der Bröller auf den gestern früh einsetzenden Schneefall und den nachfolgenden Regen angesprochen hat. Auch aus der Quelle rechts in wenigen Metern Höhe schoss ein kräftiger Wasserstrahl, wohingegen die Kalktuffnase rechts von der Höhle fast trocken war.
Der Weg führte uns weiter zum Parkplatz am Stock, wo wir durch den Schneematsch zu dem altbekannten Ponor im Wald “Schorren” stapften. Das Schluckloch nahm ein kleines Bächlein von ca. 3-4 l/s auf. Richtig interessant wurde es, als wir eine weitere, bislang unbekannte Schluckstelle im Wald aufstöberten! Durch alte Traktorspuren plätscherte ein Bächle mit einer Schüttung von etwa 1 l/s, das in einer Senke zusammenfloss und versickerte. Ich hatte mein GPS nicht dabei, daher wurden die UTM-Koordinaten dieses neuen Objekts erst nachträglich aus der Karte abgegriffen. Sie lauten …
Die spannende Frage ist für mich, wie aus dem Bröller 20mal mehr Wasser herausfließen kann, als in den beiden Schlucklöchern zusammen versickert. Weiter hinten im Wald gibt es noch einen weiteren Ponor, der aber auch nicht viel Wasser abführt. Offenbar greift der Teufelsklingenbröller sein Wasser über ein größeres Einzugsgebiet mit vielen kleinen bzw. diffusen Sickerstellen ab.
Noch ein paar Fotos und wir waren froh, wieder im angenehm temperierten Auto zu sitzen!
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