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Höhlendepression
Um Zehn sind Irene und ich unterwegs zu der Höhle, die wir auf einen Hinweis von Rudi vor vier Wochen bei Weiler (wieder-) gefunden haben. Obwohl von vorne herein klar ist, dass sich dieser Hohlraum nicht zu einer riesigen Entdeckung auswachsen wird, haben wir die Hoffnung, dass er uns zu einer neuen Katasternummer auf Blatt 7225 verhilft.
Vom …hof aus geht es los. Nach kurzer Suche stehen wir vor dem winzigen Eingang wenige Meter nördlich des …felsens. Ich krabble in das am Anfang etwa 50 cm breite und 40 cm hohe Loch hinein. Innen wird es zwar gleich breiter, aber die Raumhöhe sinkt langsam, doch unerbittlich immer mehr ab. Mit Missfallen registriere ich rechts in einer Nische Moosbüschel. Offenbar hausen hier irgendwelche Vierbeiner, die sich ihre hypogäische Heimat gemütlich ausgepolstert haben. Na Klasse, da kann man sich eine Spur staubtrockene Erde mit Fuchsbandwürmern und Hantaviren durch die Nase ziehen!
Nach gerade einmal zweieinhalb Metern sinkt die Raumhöhe soweit ab, dass bei bestem Willen kein Weiterkommen mehr möglich ist. Ein größerer Stein erweist sich als Teil des Deckgebirges und lässt sich keinen Millimeter zur Seite bewegen. Von hier kann ich jetzt alle Ecken des Hohlraums einsehen und stelle fest, dass die Decke nach weiteren zwei Metern ins Sediment abtaucht. Ziemlich aussichtslos.
Irene hat das Geschehen durch ein seitliches, vielleicht handgroßes Loch von außen beobachtet. Nachdem ich wieder draußen bin, kriecht sie auch mal kurz hinein. Die weibliche Expertise besagt das gleiche: Hier wird es nichts mit einer neuen Katasternummer. Dafür hat das draußen friedlich vor sich hin loggende GPS inzwischen genügend Datensätze für eine gute Positionsbestimmung gesammelt.
Auf dem Weg zurück zum Auto befällt mich anbetracht der Erkenntnis, dass uns auf Blatt 7225 langsam die Forschungsmöglichkeiten ausgehen, eine um rund 29 Stunden vorgezogene Herbstdepression. In meiner Verzweiflung sehe ich uns schon auf alpine Höhlen ausweichen. Zum Glück kuriert mich das freundliche Sonnenlicht nach dem Verlassen des Waldes. Die kurze Fahrt nach Hause wird nur noch gelegentlich durch melancholisches Brummeln akustisch untermalt.