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Höhlenentstehung im Jura

Am heutigen Abend hielt ich einen Vortrag über die “Höhlenentstehung im Jura”. Zuhörer und -Seher waren ungefähr 20 Mitglieder der Geologie-AG des Naturkundevereins Schwäbisch Gmünd. Mit Fotos und Diagrammen gab ich im Rahmen der etwa einstündigen Veranstaltung zunächst einen Überblick über den Karst und seine Formen, bevor ich mich den einzelnen Höhlentypen und ihrer Entstehung zuwandte. Einen besonderen Schwerpunkt nahmen natürlich die Karsthöhlen ein. Aber auch die Höhlen, die ihre Ursache in Massenbewegungen haben, wurden genauso erwähnt wie Tuffhöhlen.

Die Resonanz des Publikums war positiv. Nicht einmal eine Folie mit Formeln und ein Schaubild mit den Sättigungsgrenzen CO2-beladenen Wassers führte zu einer Massenflucht!

Möglicherweise gibt es nächstes Jahr auch eine kleine Exkursion.

Symposium Verkarstung in Süddeutschland

Nach der Fußball-WM im letzten Jahr und den olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr, fiel ein auch im Vierjahresrhythmus stattfindendes Ereignis auf 2007: Das Symposium Verkarstung in Süddeutschland. Statt in teuer erbauten Stadien fand es im bewährten Saal des “Rössle” in Laichingen statt. Über den Daumen gepeilt, fanden 100 Höfos und Geologen trotz Nebel ihren Weg in die heimliche schwäbische Höhlenforscher-Hauptstadt.

Trotz einiger Abweichungen vom ursprünglichen Vortragsprogramm, fielen die Referate überwiegend gut aus.

Der Schweizer Kollege Marco Filipponi fand in 70% aller untersuchten Groß- und Riesenhöhlen eine Bindung an Schichtfugen. Selbst komplexe Systeme werden von nur 2 - 5 Schichtfugen kontrolliert.

Andreas Hoydem stellte das Höhlensystem bei Eberstadt im Odenwald vor, das insgesamt über vier Kilometer lang ist. Teilweise korreliert die Höhle mit Merkmalen der Landoberfläche. Wesentliche Teile der Höhle waren bis Ende des Tertiärs bereits voll entwickelt.

Stefan Glaser referierte über die Mühlbachquellhöhle und das unterirdische Gewässernetz der südlichen Frankenalb. Anhand der Temperatur, Schüttung und des Chemismus konnten verschiedene Herkunftsgebiete des Wassers in der Mühlbachquellhöhle ausgeschieden werden. Sehr interessant war, dass neben rezentem Karstwasser, auch Grundwasser gefunden wurde, das mehrere Jahrzehnte Verweildauer im Aquifer aufwies.

Martin Trappe berichtete über seine Anstrengungen, klastische Sedimente anhand ihrer Eigenschaften zu klassifizieren. So stellen die Kornsummenkurven charakteristische Fingerabdrücke für die verschiedenen Ablagerungen in Höhlen dar. Für die Zukunft soll ein Abgleich dieser Werte über die Grenzen der Frankenalb hinaus versucht werden.

Nach der Mittagspause trug Gerd Tietz seine Erkenntnisse über die Höhlenruine am Wolfstein vor. Diese Höhle enthielt große Mengen an Aragonit-Sinter. Aufgrund der Bedingungen, unter denen sich Aragonit normalerweise bildet, wurde auf ein eozänes Alter der Höhle geschlossen.

Marcel Strasser wandte sich in seinem Vortrag der Laierhöhle bei Geislingen zu. Die Stockwerke dieser Höhlen lassen sich zeitlich in Einklang mit Flussterrassen der Ur-Lone bringen. Sie belegen eine Entwicklung der Höhle ab dem Miozän.

Georg Kaufmann stellte anhand numerischer Computersimulationen mögliche Entwicklungsgeschichten der Höhlen auf der Schwäbischen Alb vor. Absolute Zeitskalen sind jedoch immer noch problematisch, da die Modelle von klimatischen und hydrologischen Voraussetzungen ausgehen, die mit Unsicherheitsfaktoren behaftet sind.

Eberhard Pechold berichtete über seine Beobachtungen von Gasblasen in Karstquellen der Schwäbischen Alb. Er vermutet Temperatur- und Druckunterschiede als Ursache der Lösung und späteren Abscheidung von Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid im Karstwasser.

Die beiden anschließenden Vorträge musste ich leider auslassen.

Alle Vorträge werden in der kommenden Ausgabe des Laichinger Höhlenfreund gedruckt erscheinen.

Tag des Geotops an der Teufelsklinge

Am Vormittag um zehn Uhr begann die vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd im Zusammenhang mit dem “`Tag des Geotops”‘ organisierte geologische Wanderung auf die Alb. Dadurch, dass das Ereignis zuvor in der Presse gebührend angekündigt worden war, fanden sich beinahe 100 Teilnehmer am Startpunkt, dem Parkplatz bei der Teufelsklinge, ein.

Die überraschend große Teilnehmerzahl forderte insofern ihren Tribut, als dass wir uns an der Teufelsklinge aus Platz- und Sicherheitsgründen in drei Gruppen aufteilen mussten, was Wartezeit bedeutete. Herr Mayer gab Ausführungen zur Geologie, Rudi stellte die Ausrüstung der Höhlenforscher vor und gab einen kurzen Abriss zu den früheren Forschungen. Ich berichtete, wie es in den mir bekannten Räumen der Höhle aussieht und stellte den Höhlenplan vor. Unsere Gäste waren wissbegierig, so dass anschließend noch einige Frage gestellt und beantwortet wurden.

Nach diesem Höhepunkt der Wanderung, ging es stracks bergan und weiter zum Griesbrunnen. Unterwegs machten wir die Teilnehmer auf den Übergang vom Malm in die tertiären Feuersteinlehme aufmerksam. An dem Wurzelballen eines umgestürzten Baumes wurde ein Einblick in den Aufbau der oberen Schichten des Erdreichs gegeben und erklärt, was es mit den Kieselknollen auf sich hat.

Die Exkursionsgruppe im Gelände

Neben der Erdgeschichte sollte auch die menschliche Historie nicht zu kurz kommen, weshalb wir zunächst einen interessanten, alten Grenzstein im Dickicht ansteuerten. Am Bargauer Kreuz schauten wir uns die Fortifikationen aus der Zeit des spanischen Erbfolgekrieges an, dessen historische Rahmenbedingungen von Herrn Mayer erläutert wurden.

Wir gingen weiter Richtung Himmelreich, wo wir uns in eine Gruppe teilten, die hoffte, im Naturfreundehaus noch Essbares zu ergattern und in eine Gruppe, die gemütlich zu Tale und zurück zu den Fahrzeugen wanderte. Kurz nach 14 Uhr überschritt ich die heimatliche Türschwelle, zufrieden mit dem Tag.

Katastersitzung in Laichingen

Dieser Nachmittag sah Gerhard und mich auf dem Weg nach Laichingen, wo im Rasthaus über der Tiefenhöhle die diesjährige Katastersitzung stattfand. Außer uns waren noch etwa 30-40 andere Höhlenforscher gekommen.

Ritschi, der Katasterführer, stellte zur Eröffnung die aktuelle Statistik vor, laut der z.Z. 2778 unterirdische Hohlräume auf der Schwäbischen Alb registriert sind. 109 davon sind künstlich. Immerhin 86% aller Hohlräume sind mit Höhlenplänen dokumentiert. Im “Geschäftsjahr” 2006 waren 17 neue Objekte hinzugekommen. Im Rahmen einer Softwareumstellung konnten Karteileichen und falsche Einträge bereinigt werden.

Mit dem Thema Software ging es im nächsten TOP auch gleich weiter. Vorgestellt wurden ganz kurz einige grundlegende Ideen für ein Internet-basiertes speläologisches Informationssystem. Dieses soll eines Tages Höhlenforschern und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, Daten aus Höhlen mit anderen Daten zusammenzuführen, statistisch auszuwerten und die Ergebnisse grafisch zu visualisieren. Vorarbeiten werden im Rahmen einer Dissertation geleistet, doch wann dieses System einsatz- und alltagstauglich sein wird, kann noch niemand sagen.

Stellvertretend für ihre Teams berichteten verschiedene Kameraden über laufende größere Forschungsprojekte. Zentral ging es natürlich um die beinahe schon unvermeidliche Vetterhöhle und die Blautopfhöhle, aber auch die letzten Resultate aus der Laierhöhle kamen auf den Tisch. Gerade für die Löcher in Blaubeuren sind die Perspektiven für spektakuläre Neuentdeckungen sehr rosig.

Die Weitergabe von Höhlendaten an Behörden im Zusammenhang mit dem Biosphärenreservat Schwäbische Alb war ein weiterer Punkt. Die Menge und der Detaillierungsgrad der Daten ist jedoch noch unklar, so dass das Ergebnis der Diskussion lautet “Im Prinzip ja, aber…” erst müssen die nächsten Gespräche abgewartet werden.

Ein bisschen kontrovers ging es bei der Frage zu, wie man mit der Umbenennung und Nummerierung von Höhlen umgehen soll, wenn mehrere Einzelhöhlen zu einem System zusammengeschlossen oder Karteileichen aus dem Kataster entfernt werden. Richtlinien gibt es keine bis auf die Empfehlungen des australischen Höfo-Verbandes. Inwieweit diese auf älblerische Verhältnisse übertragen werden können, wird die Praxis wahrscheinlich sehr bald zeigen. Kandidaten für den nächsten Zusammenschluss gibt es schon…

Nach knapp zwei Stunden endete die Sitzung und während sich die anderen für die nachfolgende Delegiertenversammlung des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung fit machten, düsten Gerhard und ich wieder ins gute, alte Heubach.

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